Guerilla Gardening im Stadtland, das alle Spaziergänger erfreut.
Guerilla Gardening im Stadtland, das alle Spaziergänger erfreut.

 

Die Lektüre im Internet zum Thema Guerilla Gardening ist relativ unergiebig und frustrierend. Und auch der Unterschied zwischen Urban Gardening und Guerilla Gardening scheint vielen Autoren nicht klar zu sein. Allerdings sind wir in letzter Zeit auch immer häufiger über Artikel von Bloggern gestolpert, die sich am Guerilla Gardening versucht, dann aber auch schnell aufgegeben haben. Und das Ganze dann mit Begründungen wie: „Ich habe einen Rosenstock gesetzt, der wurde aber von jemandem zurückgeschnitten“ oder „Guerilla Gardening funktioniert ja überhaupt nicht. Die vorgezogenen Blumen aus dem Baumarkt halten ja gerade mal ein paar Wochen“. Stellt sich für uns die Frage, ob an dieser Stelle eher das Konzept Guerilla Gardening oder aber viel mehr der Guerilla Gärtner das Problem war.

Grund genug, dass wir hier nun hier unsere 10 Tipps für angehende Guerilla Gärtner veröffentlichen wollen. Wenn wir etwas vergessen haben sollten, dann freuen wir uns wie immer über Eure Kommentare!

Tipp 1: Einmal ist keinmal

Wer es sich leicht machen möchte, den schnellen und wiederkehrenden Erfolg bei seinen Guerilla Gardening Aktionen sucht, für den gibt es eine ganze Reihe an Blumen und Pflanzen, die jedes Jahr wiederkommen und auch von den meisten Stadtgärtnern akzeptiert werden. Beispiele hierfür wären Narzissen, Tulpen, Krokusse, Schneeglöckchen etc.

Tipp 2: Ziele definieren

Werde Dir über die Ziele klar, die Du mit Deinen Guerilla Gardening Aktionen verfolgen möchtest. Ein altes Fabrikgelände wird man kaum mit Narzissenzwiebeln verwildern lassen, während Löwenzahn in Baumscheiben von den meisten Passanten wohl als Unkraut und nicht als Blume wahrgenommen wird. Verschiedene Ziele erfordern verschiedene Pflanzen. Womit wir bei Tipp 3 wären:

Tipp 3: Mit der richtigen Pflanze zum Erfolg

Kein Ziel, kein Boden und keine Situation ist so einzigartig, dass es keine Pflanze gäbe, die sich ideal anbieten würde, um damit klar zu kommen. Soll heißen: Die richtige Pflanze entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. In der Nachbarschaft soll ein Bewusstsein dafür entstehen, dass ein Beet gepflegt anstatt zur Müllhalde werden soll? Dann solltest Du Blüten sprechen lassen. Soll hingegen ein Stück Land gegen die Übergriffe übereifriger Stadtgärtner standhalten, dann wirkt beispielsweise Minze, die in die Nähe von Wurzelstöcken existierender Pflanzen gesetzt wird Wunder – denn diese wird garantiert ausdauern und viele Jähtattacken überstehen.  Aber nicht nur die richtige Pflanze entscheidet über Erfolg und Misserfolg Deiner Guerilla Gardening Aktivitäten, sondern vor allem muss die Pflanze auch zum Boden und den sonstigen Gegebenheiten passen. Mehr dazu? Weiterlesen und zwar bei Tipp 4. Vorher nur noch eine Klinigkeit: Es ist sinnvoll keine Neophyten einzusetzen, die dann unser Ökosystem überrennen und der heimischen Natur schaden. Also lieber auf einheimische Pflanzen zurückgreifen. Ein Beispiel für einen Neophyten, der aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit und seines schnellen, frühen Wuchses inzwischen heimisch geworden ist und andere einheimische Arten verdrängt ist die beliebte Speiseknolle Topinambur.

Tipp 4: Boden anhand der Vegetation lesen

Zugegeben, auf den ersten Blick mag das etwas seltsam klingen, aber das ist es ganz und gar nicht. Dass verschiedene Pflanzen auch verschiedene Böden bevorzugen ist bekannt, aber Bodenstrukturen und Zusammensetzungen sind gerade im Vorübergehen nicht immer leicht zu erkennen. Ein bisschen Recherche hilft oft weiter, denn das Prinzip funktioniert in beide Richtungen. So deutet ein üppiger Wuchs mit Brennesseln und/oder Knoblauchsrauke beispielsweise auf einen stickstoffreichen Lehmboden hin. Mit ein bisschen Übung ist es also kein Hexenwerk die Qualität und Zusammensetzung des Bodens anhand eines Blicks auf die bestehende Vegetation zu erfahren. Ein unbezahlbares Talent für jeden Guerilla Gärtner!  Ach ja: Auch wenn hier von Boden die Rede ist, dann meinen wir ebenso Mauerspalten, Regenrinnen oder Garagendächer, auch wenn es hier dann weniger um die Böden und mehr um die Sonnen- und Feuchtigkeitssituation geht.

Tipp 5: Die Munitionskammer – gut gefüllt ist halb gewonnen

Wenn man als Guerilla Gärtner gezwungen ist ständig tief in die Tasche zu greifen, um seine Stadt zu verschönern, dann kann Guerilla Gardening schnell ein kostspieliges Hobby werden. Das muss es aber nicht, denn mit Sicherheit gibt es auch in Deiner Nähe den einen oder anderen Blumenhändler oder Gärtnerreibetrieb, den Du für Deine Aktivitäten begeistern kannst und der Dir gerne seine nicht verkauften und verblühten Narzissenzwiebeln oder ähnliches kostenlos überlässt. Auch Freunde oder Nachbarn helfen sicher gerne aus und unterstützen Deine Aktionen. Verbündete dieser Art sind nicht schwer zu finden, aber im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert und Fragen kostet ja nichts.

Und die Steigerung davon? Einheimisches Saatgut einfach sammeln, trocknen und fürs nächste Jahr lagern. Das macht nicht nur Spaß, sondern regelrecht süchtig. Ohne Papiertüte in der Tasche gehen wir jedenfalls schon lange nicht mehr aus dem Haus.

Tipp 6: Samenbomben und Konsorten

Gerade zu Anfang mag es dem einen oder anderen angehenden Guerilla Gärtner schwer fallen, sich in der Öffentlichkeit über ein Beet herzumachen. Für jegliche Zwecke, die lieber unbemerkt durchgeführt werden sollen, eignen sich Samenbomben und Konsorten ganz hervorragend, denn auch wenn sich selbst so etwas anarchistisches wie eine Samenbombe der Kommerzialisierung geschlagen geben musste und inzwischen in zahllosen Onlineshops zu erwerben ist, so erfüllen sie doch ihren Zweck. Und nein, wir möchten keine verkaufen. Weder hier noch in irgendwelchen Dawanda-Shops. Wir haben etwas viel besseres für Euch und zwar unsere Anleitung zur Herstellung eigener Samenbomben.

Doch dabei muss es nicht bleiben. Die Möglichkeiten beim Guerilla Gardening sind zahllos. Mit Kreativität und etwas technischem Geschick lässt sich beinahe alles realisieren. Hier nur zwei unserer aktuellen Gedanken und Ideen: Warum nicht mal den noch feuchten Samenbombenteig gemeinsam mit einigen Löwenzahnsamen in eine Mauerspalte drücken? Oder zwischen zwei Blätter Küchenrolle ein Peace-Symbol oder ähnliches aus Kressesamen legen, befeuchten und an einer gut sichtbaren Stelle auf einem Beet mit wenig Erde bedecken und angießen?

Tipp 7: Die Sache mit dem Rasenmäher

Welche Stelle in welchem Beet erst später im Jahr gemäht wird und vor allem an welchen Ort der breite Stadtrasenmäher nicht gelangt, das findet Ihr am besten heraus, indem Ihr die Beete und Grünflächen über einen längeren Zeitraum beobachtet. Gerade diese Stellen sind es dann auch, für die Ihr Euch ganz besonders interessieren solltet. Bei uns gibt es beispielsweise in der Stadt eine Wiese auf der drei Birken sehr eng beisammen stehen – dazwischen hat der Rasenmäher keine Chance. Ein wahres kleines Guerilla-Gärtner-Paradies …

Tipp 8: Der frühe Keim bleibt häufig stehen

Womit wir schon wieder bei Narzissen, Tulpen und Co. wären. Sämtliche frühblühende Zwiebelblumen eignen sich auch für Wiesen und Parks gut, da sie meist schon keimen und blühen, bevor das erste Mal im Jahr gemäht wird. Und nach unserer Erfahrung werden die Pflanzen dann auch beim ersten Mähen verschont, da die Stadtgärtner diese sehr leicht als „Nützlinge“ identifizieren können.

Für alle anderen Pflanzen gilt: Wenn Ihr die Chance habt diese auf der Fensterbank vorzuziehen, dann erhöht Ihr auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich gegen die Konkurrenz im Beet durchsetzen um ein Vielfaches. Diesen Wachstumsvorsprung bekommt Ihr dann häufig auch mit einer üppigen Blütenpracht zurückgezahlt.

Tipp 9: Mit Blüten gewinnt man Herzen – und Kriege

Gerade in Gegenden, in denen das Treiben eines Guerilla Gärtners auf Unverständnis stößt, gilt es die Herzen der Anwohner und Passanten zu erobern. Und dies gelingt am besten wenn Ihr Blüten sprechen lasst: Egal ob Stockrose, Kapuzinerkresse, Narzisse oder Krokus, die leuchtenden Farben der Blüten werden allen ein Lächeln auf die Lippen zaubern und sie verstehen lassen, dass auch eine einfache Saat eine gute Tat sein kann. Und wenn Ihr so großes Glück habt wie wir, dann entdeckt Ihr früher oder später den einen oder anderen Anwohner mit einer Gießkanne an Euren blühenden Schätzchen.

Eines unserer blühenden Attensaate auf einer Baustelle: Gefüllte und ungefüllte Narzissen und bunte Tulpen.
Eines unserer blühenden Attensaate auf einer Baustelle: Gefüllte und ungefüllte Narzissen und bunte Tulpen.

 

Tipp 10: Hab Spaß an Pflanzen und Natur!

Der vermutlich trivialste aber auch wichtigste Tipp zum Schluß: Hab Spaß an dem was Du tust. Hab Spaß an den Pflanzen und hab Spaß an der Natur. Mach Dich darauf gefasst, dass Du auch jede Menge Niederlagen einstecken wirst, aber lass Dich davon nicht unterkriegen. Es liegt in der Natur des Guerilla Gardening, dass mühevoll aufgebaute Beete eines Tages einfach platt gemacht werden oder dass eine wunderschön blühende Kapuzinerkresse übereifrigen Stadtgärtnerhänden zum Opfer fällt. Kein Problem, denn am Ende haben wir den längeren Atem und – nicht zu vergessen – die Natur auf unserer Seite …

Wenn Ihr jetzt noch immer viele Fragen habt, dann kommentiert oder schreibt uns doch eine Mail. Oder schaut auf unserer Facebookseite vorbei. Wenn Ihr aber auf der Suche nach einem guten Buch seid, dann gibt es im Bereich Guerilla Gardening eigentlich nur eine richtig gute Empfehlung und zwar Guerilla Gardening: Ein botanisches Manifest von Richard Reynolds, dem Begründer der modernen Guerilla-Gardening-Bewegung.

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