Foto Knorr Aromapack Erbseneintopf
Der neue Knorr Erbseneintopf im Aromapack. Gott sei Dank mit Sichtfenster.
Wem läuft da nicht das Wasser im Mund zusammen …

 

„Wie viel Koks oder Chrystal braucht man eigentlich, um so eine Hirnwichse auch nur aus dem Agentur-Drucker zu ziehen? Man darf den großen Konzernen eine solche Scheiße nicht durchgehen lassen, sonst denken die am Ende, ihr Spot sei eine Sensation.“ Exakt dieses Zitat aus dem Bestseller „Millionär“ von Tommy Jaud sprang mir gerade zu in den Sinn als ich im Internet über den aktuellen Knorr-Spot für die neuen „Eintöpfe im Knorr Aromapack®“ stolperte. An dieser Stelle würde ich empfehlen einmal besagten Spot (bspw. hier auf Youtube) anzuschauen und danach das Jaud-Zitat erneut zu lesen und langsam wirken zu lassen.

Werbung für völlig hirnverbrannte Alles-Konsumenten?
Jetzt mal ehrlich: Für wie dämlich halten Knorr und die beauftragten Werber uns Konsumenten eigentlich? Da versucht man dem Produkt einen gesunden und frischen Anstrich zu verpassen, indem man frisches Obst und frische Kräuter zeigt und „Die Natur weiß am besten wie man Gemüse verpackt, um den vollen Geschmack zu erhalten – und das hat uns zum neuen Knorr Aromapack inspiriert“ unverschämt ins Mikrofon hustet. Wie bitte? Die Natur weiß am besten wie man Gemüse verpackt und das hat uns inspiriert Lebensmittel in Plastiktüten einzuschweißen? Wenn Jaud nicht eben solche Versuche, den gesunden Menschenverstand zu missbrauchen, mit der zitierten Hirnwichse gemeint hat, was denn dann? Ich glaube, nein, ich bin mir sicher, dass es nicht mal bei Knorr jemanden gibt, der so verstrahlt ist, dass ihn die Natur auf die Idee einer Plastikverpackung bringt. Und spätestens an dieser Stelle sollte Mutter Natur dann auch die Advocard zücken und einen Anwalt kontaktieren – wenn das kein Rufmord ist, was dann?

Werbung vs. Realität
Werbung vs. Realität Unsere Fotomontage offenbart die Wahrheit. Die linke Hälfte des Sichtfensters zeigt die Werbeaufnahme (Screenshot von Youtube), die rechte Hälfte des Sichtfensters zeigt unser Originalfoto aus dem Supermarkt.

 

Geschmacksverstärkende Zusatzstoffe nein, Geschmacksverstärker dann aber doch!
Und die Volksverarschung geht noch weiter: Knorr betont ausdrücklich, dass man natürlich (!) auf geschmacksverstärkende Zusatzstoffe verzichten würde. Stimmt, aber trotzdem sind die naturinspirierten Plastiktütensuppen randvoll mit Geschmacksverstärkern – und das verschweigen uns die lieben Knorr-Meisterfertiggerichtsköche dann doch lieber. Denn, haltet Euch fest: Hefeextrakt besteht zu 11,9 % aus Glutaminsäure (deren Salz ist dann exakt das Glutamat, das, wenn es pur zugesetzt würde, als geschmacksverstärkender Zusatzstoff deklariert werden müsste). Der einzige Grund, warum die „Knorr-Aromazauberer“ dennoch auf die Packung schreiben dürfen, dass die Zubereitung „ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe“ erfolgt, ist, dass die deutsche Zusatzstoff-Verkehrsverordnung Hefeextrakt nicht als Zusatzstoff führt, da es natürlichen Ursprungs ist. Und anstatt sich still und heimlich in eine dunkle Ecke zu verziehen und zu hoffen mit diesem kommunikativen Himmelfahrtskommando nicht komplett vor die Wand zu fahren, schreibt man dann noch großspurig diese Ohne-Geschmacksverstärkende-Zusatzstoffe-Blenderei auf die naturinspirierte Plastiktüte. Das einzige, was diese dann auch wirklich mit der Natur zu tun hat, ist die Tatsache, dass die Natur noch unzählige Jahre an diesem unverrottbaren Ökoverbrechen zu knabbern haben wird.

„Aber Glutamat ist doch gar nicht so schlimm …“
Nun scheiden sich die Geister an der Frage, ob Glutamat denn auch schädlich ist. Die Industrie sagt das eine, viele Verbraucher meine das andere. Spielt aber auch keine Rolle, denn die Wahrheit ist, dass hochwertige Zutaten eben diese Hefeextrakt-Glutamat-oder-was-auch-immer-Panscherei nicht nötig haben. So beinhalten ohnehin viele Lebensmittel wie Parmesan, Tomaten, Champignons oder Eier ebenfalls Glutamat in unterschiedlicher Konzentration. Nochmal für eventuell mitlesende Knorr-Köche, Knorr-Werber, Knorr-Konsumenten: Wer gute Zutaten frisch zubereitet, kann auf Glutamat, Hefeextrakt, Fondor und Co. verzichten. Wer hingegen lieber industriellen Einheitsbrei produzieren und diesen für eine zwölfmonatige Haltbarkeit in Plastiktüten einschweißen will, der kann definitiv nicht darauf verzichten. Aber auf diese lächerlichen TV-Spots kann man dann wohl ebenso verzichten wie auf die unsäglichen „ohne Zusatz von…“ Behauptungen. Und vielleicht sollte Jauds Zitat in diesem Fall dann auch eher lauten: „Wie viel Hefeextrakt oder Glutamat braucht man eigentlich, um so eine Hirnwichse auch nur aus dem Agentur-Drucker zu ziehen?“ Ändert trotzdem nichts daran: „Man darf den großen Konzernen eine solche Scheiße nicht durchgehen lassen, sonst denken die am Ende, ihr Spot sei eine Sensation.“

Wie viel Koks oder Chrystal braucht man eigentlich …
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2 Gedanken zu „Wie viel Koks oder Chrystal braucht man eigentlich …

  • 11. März 2015 um 20:39
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    Du sprichst mir wohl aus der Seele! Ich kann diese ganze Lügerei auch nicht mehr ab und das schlimme ist wirklich, dass die Leute das auch noch glauben. Ich krieg auch immer die Kriese, wenn die Leute im laden (arbeite im Supermarkt) zu mir kommen und mich fragen ob wir denn noch Maggi (Beispiel)Tomaten Bolognese hätten, das Regal wäre ja leer. Und ich dann sage, machen sie es doch frisch, ….oder nehmen zur Not ne andere Tüte, is eh überall dasselbe drin…. „Nene Fräulein, ich nehm das immer, es muss auf jeden Fall dieselbe Sorte sein“ … Ne is klar.

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  • 12. März 2015 um 10:00
    Permalink

    Es gibt eine Antwort auf Deine Frage:

    Die Werbungsmacher legen noch einen drauf.
    Dämlich, unreflektiert und unflexibel.
    Und wenn man sich die aktuelle Werbungskampagne von Lidl und Rewe anschaut, muss man erkennen, dass es wohl überwiegend der Realität entspricht.

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